Journal 05-12 · Sinn, Glück & gutes Leben

Welche Aufgabe ist wirklich deine?

Was bleibt vom Erfolg, wenn er nicht mehr genügt?

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Welche Aufgabe ist wirklich deine?

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Lesetext

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Menschen können sehr viele Aufgaben übernehmen.

Einige werden ausdrücklich übertragen. Andere entstehen still. Du kümmerst dich um etwas, weil es sonst niemand tut. Du wirst gut darin. Andere verlassen sich darauf. Irgendwann gehört die Aufgabe scheinbar zu dir.

Doch Kompetenz und Zugehörigkeit sind zwei verschiedene Dinge.

Nur weil du etwas gut kannst, muss es nicht deine Aufgabe bleiben.

Vielleicht bist du hervorragend darin, Krisen zu lösen. Deshalb ruft jeder an, wenn etwas brennt. Vielleicht kannst du Menschen gut beruhigen und wirst zur emotionalen Schaltstelle deiner Familie. Vielleicht bist du wirtschaftlich erfolgreich und führst ein Unternehmen, dessen Aufgabe dich innerlich kaum noch bewegt.

Das ist eine schwierige Erfahrung: Man kann in etwas gut sein, das man kaum noch tun will.

Dann braucht es eine genauere Frage.

Welche Aufgabe ist wirklich deine?

„Deine“ bedeutet hier nicht schicksalhaft bestimmt. Es bedeutet: eine Verantwortung, Tätigkeit oder Rolle, die du bewusst wählen kannst, weil sie zu deinen Werten, Fähigkeiten und Lebensbedingungen passt.

Eine solche Aufgabe muss nicht angenehm sein. Sie darf fordern. Sie kann Pflicht enthalten. Elternschaft, Pflege, Führung oder gesellschaftliches Engagement bestehen selten nur aus Freude.

Entscheidend ist die innere Zustimmung zum Warum.

Vielleicht erkennst du, dass eine Aufgabe weiterhin deine ist, obwohl du gerade müde von ihr bist. Dann braucht es Erholung oder eine andere Organisation, keinen grundlegenden Wechsel.

Vielleicht erkennst du, dass du sie nur noch aus Loyalität zu einer früheren Version deines Lebens trägst. Dann wird eine Übergabe möglich.

Und vielleicht wartet längst eine andere Aufgabe, die weniger Status hat, dafür mehr Bedeutung.

Die Frage nach der eigenen Aufgabe ist deshalb eng mit Autorenschaft verbunden. Sie trennt Können von Müssen, Erwartung von Zustimmung, Gelegenheit von Richtung.

Ein hilfreicher Blick richtet sich auf Energie. Welche Tätigkeit macht dich auf eine gute Weise müde? Wo spürst du nach Anstrengung noch Sinn? Welche Verantwortung würdest du behalten, selbst wenn sie weniger sichtbar wäre? Welche Aufgabe würdest du gern gut hinterlassen, statt sie endlos zu besitzen?

Solche Hinweise ergeben keine mathematische Antwort. Sie geben Kontur.

Vielleicht gibt es in einem Leben mehrere „eigene“ Aufgaben. Eine für diese Jahre, eine andere später. Das macht sie nicht beliebig. Es macht sie lebendig.

Vielleicht erkennst du die eigene Aufgabe auch daran, dass du ihre schwierigen Seiten akzeptierst. Jede ernsthafte Tätigkeit hat langweilige, anstrengende oder frustrierende Bestandteile. Wenn du nur den angenehmen Teil willst, liebst du vielleicht eher die Vorstellung. Eine Aufgabe wird wirklich deine, wenn du sagen kannst: Auch diese gewöhnlichen Mühen gehören dazu, und der Gesamtzusammenhang ist mir wichtig genug.

Eine Aufgabe kann sich außerdem dadurch als deine zeigen, dass du sie freiwillig weiterentwickeln möchtest. Du willst besser werden, weil bessere Arbeit dem Gegenstand dient, nicht nur deinem Ansehen. Dieses Interesse an Qualität ist ein starker Hinweis. Es verbindet Können mit Bedeutung. Dort entsteht häufig eine Form von Arbeit oder Verantwortung, die auch nach Jahren noch lebendig bleiben kann.

Vielleicht ist die eigene Aufgabe deshalb weniger die spektakulärste Option als jene, bei der Können, Verantwortung und Bedeutung über längere Zeit zusammenfinden.

Welche Aufgabe verdient jetzt deine Zeit, deine Erfahrung und deine Verantwortung - weil du sie heute wirklich als deine wählen kannst?

Eine Frage zum Weiterdenken
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