Die frühe Stoa
Zenon von Kition gründete seine Schule im hellenistischen Athen. Der Name „Stoa“ verweist auf die Stoa Poikile, die bemalte Säulenhalle, in der gelehrt wurde. Nach Zenon führten Kleanthes und vor allem Chrysippos die Schule weiter. Chrysippos systematisierte Logik, Physik und Ethik so umfassend, dass spätere Autoren ihn beinahe als zweiten Gründer behandelten.
Ein philosophisches System
Die Stoa war weit mehr als praktische Lebenshilfe. Sie verstand Logik, Naturlehre und Ethik als zusammenhängend. Wie wir urteilen, wie die Welt beschaffen ist und wie wir handeln sollen, gehörte in ein einziges System. Die populäre Reduktion auf „Kontrolliere, was du kontrollieren kannst“ erfasst daher nur einen kleinen Teil.
Mittlere und römische Stoa
In späteren Jahrhunderten verschoben sich Akzente. Panaitios und Poseidonios trugen zur Vermittlung stoischen Denkens in die römische Welt bei. In der Kaiserzeit stehen für heutige Leser vor allem Seneca, Musonius Rufus, Epiktet und Marc Aurel im Vordergrund. Ihre erhaltenen Texte konzentrieren sich stark auf Ethik und Lebensführung.
Warum wir die römische Stoa so gut kennen
Von Seneca sind zahlreiche philosophische Schriften und Briefe erhalten. Epiktets Lehre kennen wir vor allem durch die von Arrian aufgezeichneten Lehrgespräche und das Handbüchlein. Marc Aurels Selbstbetrachtungen geben Einblick in persönliche philosophische Übungen. Diese Überlieferung prägt unser heutiges Bild stark – stärker, als es die Entwicklung der gesamten Schule eigentlich rechtfertigt.
Stanford Encyclopedia of Philosophy: Stoicism